Dichtung

 


Ausschnitte aus „4 Bräute & 1 Broiler – Mittwochs bin ich immer so müde“, Betancor 2017 – (work in progress)

In diesem Musiktheater-Bausatz, was eine traurige Groteske ist, geht es um nichts Besonderes: um ein Grüppchen von Menschen auf die das Brennglas zeigt und ihre Umklammerungen und Lösungsversuche.
Die Musik sind 17 „Aufschreie & Stoßseufzer, jederzeit von egal wem zu singen“.
Eine Auswahl der  „Aufschreie & Stoßseufzer„ wurde uraufgeführt bei der UNERHÖRTEN MUSIK am 11. Juni 2019 von Martin Schleunig Piano, Claudia Herr Mezzosopran und Elena Kakaliagou Horn. 

Hier digitale Files ohne Gesang und Textproben


Ich sehe Sie ja gar nicht mehr, wo waren Sie denn gestern. Ich hätte Sie gebraucht. Ich wünschte, ich hätte mal jemanden, der mich unterstützt.
Der?
 Ja, mich.

Aufschreie und Stoßseufzer: Immer muss man alles alleine machen, also selber, alleine.

(…)

Aufschreie und Stoßseufzer: Ich möchte wissen, ob meine Grundausstattung taugt. Ob ich das Zeug hab, das auch auszuhalten wozu mich meine Wut anstachelt.

(…)

Ich möchte niemanden sehen und nicht mehr sprechen. Ich möchte den Blick nach innen drehen, „über meine eigene Erfahrung als Körper die Wahrheit (zu) sagen nicht bestanden. Ich zweifle, ob irgendeine Frau das bisher geschafft hat. Die Hindernisse vor ihr sind immer noch gewaltig und doch sind sie sehr schwer zu bestimmen.“ Frauen stehen immer vor ihren Körpern. Stehen davor und kommen nicht drüber weg.

Aufschreie und Stoßseufzer: Ist das genetisch, sind das die Gene, hält die Brüstung, an der ich lehne Ist das noch Sex, oder schon Gender, fall ich vom Turm hält das Geländer? 

(…)

So. Das trägt man also in Norwegen. Aha, interessant. Mein Bieber, mein stinkiger kleiner Volkspisspott, Göttergatte und Jägerzaun. Rate, was ich tue und wann, nein. Laß mich raten. Ich könnte jetzt nach nebenan gegangen sein, und mich mit mir selbst beschäftigt haben, bevor ich vierzig Minuten später ein Heftchen gefunden haben würde, was weder Sinn noch anmachte, mit seltenen Exemplaren, verkleidet als sie selbst und in Pose. Da plötzlich ein Allgemeinplatz. Dass die Ohren sich abwenden und die Kopfhaut sich nach außen stülpt und angewidert vom Rest erübrigt sich das Übliche. Bist du heute wieder deinem Beruf nachgegangen? Oder der kleinen Aushilfe. Als sie Kaffee holte für dich, deinesgleichen und den Rest. Wie alt war sie doch gleich, siebzehn? Ein schönes Alter für Dienstleistungen aller Art und langsam sollte auch daran gedacht werden, einen Haushalt zu führen. 


Dichtung 

1.Klasse 2015

Im Radio klingt es, als wär der Teufel los
Als wär‘ es so weit 
Nach Krise
Sie überschlagen sich, die Rundfunkreporter und Reporterinnen mit schrillen Stimmen
Passend zwar und angemessen angesichts der Dringlichkeit
Doch schrill viel zu schrill du musst leiser drehen
Leiser drehen
Das Fernsehen zieht mit bringt die Bilder
Guck sieh doch mal die Ströme von Menschen
Über Land jetzt immerhin ohne zu ertrinken
Retten sie sich rüber in den bleichen Westen
Weite Herzen doch die Möglichkeiten endlich
Herzen weit Möglichkeiten endlich
Und ich in der 1.Klasse hab noch keinen einzigen richtigen Flüchtling gesehen
Nicht einen noch eine
Wirklich nicht
Keine.

Bayern

Armes Land du Fläche
Sonne sammeln Bäche
Pissen Gülle stinkt
Wie auch deine Autos
Und wenn keine Wiesen sind geht es auch mal Lautlos

Reiches Land du Garten
Andere Länder warten
Noch auf’s Klassenziel
Reiches Land du Club
Trainer ist dein Bub
König ist der Kaiser
Schweigt drum ist es leiser

Miss 60

Zack schon biste Sechzich
Stellst bald fest es rächt sich
Nichts 
Vom dem was
Damals schlecht zu seien dräute
Des Wahnsinns fette Beute
Der Muse schönstes Kind
Das Alter schieß in Wind!   

Aus Ein Schlimm

Vor meinem Fenster eine Wand
Hochgezogen über Nacht
Es ängstigt mich es sperrt mich aus
Und ein
In den Nachrichten hört man nichts davon  
Das ist das Schlimmste